Review: Die Kunst des stilvollen Verarmens, Alexander von Schönburg

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Die Phrase des “die fetten Jahre sind vorbei” hört man allenthalben, mit den Konsequenzen zu leben, das hat für viele allerdings in letzter Zeit erst so richtig an Dramatik gewonnen. Wer könnte also besser darüber dozieren als einer, dessen Familie schon seit 500 Jahren am absteigen ist. Mir ist Alexander von Schönburg zum ersten mal in “Tristesse Royal” aufgefallen, jenem blasierten Erguss der damaligen neuen deutschen Popschreiberlinge und aufgrund dessen erstmal unsympathisch. Schön jedoch, wenn man Leuten Besserung bescheinigen muß und sei es durch Einsicht durch Armut. Den Titel des Buches kann man schon wörtlich nehmen, es geht darum wie man in Zeiten schwindender Einkommen dennoch stilvoll und würdevoll gelebt werden kann. Dazu wird erstmal geraten die Bälle flach zu halten und sich nicht an den vulgären Perversionen der Neureichen zu orientieren.
Stattdessen plädiert Schönburg dafür das eigene Leben wieder schätzen zu lernen und dies nicht an materieller Völlerei zu messen, Zeit ist schon lange der Luxus schlechthin, nicht die Rolex, nicht die in der Stadt meist überflüssige Karre. Eloquent auf andere europäische Kulturen und Sitten hingewiesen in denen es durchaus d’accord geht Leute nachhause einzuladen anstatt zum Essen auswärts. Auch zu Kleidung, Hausrat, Kindererziehung zum nonkonformistischen Kind mit Konsumkritikfähigkeiten, medialer Entrümpelung und vor allem Einblicke in Leben reicher, die bei näherer Betrachtung eben durch Geld kein unbedingt glücklicheres Leben führen, gibt es als tröstendes und zugleich abschreckendes Beispiel. Ebenfalls enthalten sins sympathische Tricks das Leben mittels kleiner Schmarozereien, wie z.B. Bankets oder Gallerieeröffnungen zum Völlen zu frequentieren oder sympathische kleine Mopsereien, z.B. im Hotel zu begehen. Das alles in sehr unterhaltender Erzählweise, am gelungensten fand ich dennoch das Schlußplädoyer, in dem alles noch mal sehr menschlich zusammengefaßt wird und ein Hohelied auf die Tugenden Höflichkeit, Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gesungen wird, auf die wir uns in Zukunft wieder besinnen müssen, da einfach das Geld fehlen wird, diese in Form wie Dienstleistung, Pflegegeld usw. zu erkaufen oder an abstrakte Institutionen zu delegieren.
Ganz im Sinne des Sparansatzes dieses Buches habe ich dann auch die billigere Taschenbuchausgabe abgewartet.

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