Nicht nur hierzulande grassiert die Technoflaute

Im Guardian erschien ein aufschlußreicher Artikel darüber, das es offenbar nicht nur hierzulande eine Technorezession zu geben scheint. In UK plagt man sich mit dem gleichen Problem herum, was spätestens seit der Einstellung der Magazine Muzik und der Zeitschrift des Ministry of Sound offensichtlich wurde, was im Land des Musikjournalismus wesentlich mehr Bedeutung hat als hierzulande.
Die Krise scheint sich ähnlich wie hierzulande darzustellen, auch die Gründe ähneln sich. Der Artikel endet mit dem Satz “The super DJ and the superclub game is over”,
was in gewisser Weise stimmen mag, in anderer Weise jedoch nicht, ich höre noch von genug Riesengagen und das allgemeine Publikum rennt eigentlich immer mehr zu den üblichen Agglomerationen von großen Namen, während die kleinern Clubs und Namen schwer am kämpfen sind, mir kommt’s eher vor wie der Wegbruch des Mittelstandes unserer Branche, was ja auch in anderen Branchen bislang auch typisch für das jetzige Millenium ist.
Die Rock-is-back-Aussage des Artikels kann ich so nicht unterschreiben, aber folgeder Gedanke kam mir dabei: Vielleicht haben wir da etwas verpaßt, vielleicht hat man sich doch ein wenig weit vom Ursprung entfernt und dabei sowas wie Entwicklung verpaßt. Seit 12 Jahren hat das Handwerk des DJs eigentlich kaum nennenswerte Neuerung erfahren, da helfen auch keine 4 Plattenspieler und kein Final Scratch. Nachdem Software mehr oder minder den DJ ersetzen kann, sogar mein iTunes blendet automatisch Tracks zusammen, hat das Ansehen und der Kult um das DJ-Gewese doch ein wenig gelitten, weil der Mythos und die Hexerei, gerne auch DJ-Art genannt, entzaubert wurde, am Ende ist es doch bloß Plattenauflegerei, also Platten mehr oder minder künstlerisch ineinander zu mixen.
Der nächste Step müßte, oder hätte schon längst die Individualisierung des DJs sin müssen und zwar nicht nur durch die Plattenauswahl, sondern durch Eigenständigkeit, wie auch immer geartet. Sei es durch artistische Verwendung von Tools wie Kaos Pad und anders gelagerten Erweiterungen des puren Mixens, sei es durch Individualisierung des Sounds durch eigene Kreationen basierend auf anderen Tracks, ähnlich Remixen, aber live, wie durch Ableton’s Live möglich oder durch neue Techniken, die mittels der großen Auswahl an Tools heute möglich wären. Es scheitert allerdings an einigen Punkten: das Publikum will das oftmals gar nicht, unsere Medien würdigen es kaum, die Konzentration auf Big Names, welche verständlicherweise nichts an ihrer Technik verändern wollen, weil sie ihre über Jahre erfolgreich angewendet haben, und die noch nicht ganz so clubfunktionale Technik verhindert solche Innovation bislang.
In dem Artikel heißt es ja auch “Dance is not dead, but it is resting”, man kann nur hofen das das so stimmt und ich bin gespannt welche Persönlichkeit s dann schlußendlich schafft, dem Genre den Innovationsschub zu verpassen, der nötig wäre um der Sache frische Attraktivität zu verleihen. Vielleicht ist das Dancegenre auch schon viel zu determiniert und definiert um solche Innovationsschübe zuzulassen. Vielleicht braucht es tatsächlich eine neue Musikrevolution, um das ganze geschehen zu lassen. Wenn das dann passieren sollte, dann sehe ich einen großen Knall voraus, denn das Vakuum ist mittlerweile beträchtlich.

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