Thema der Woche 216: Szeneaffin trotz normalem Job. Ist das möglich?

Ok, eigentlich ging die Fragestellung so: “Szeneaffin trotz normalem Job. Ist das möglich? Im speziellen würde es mich interessieren ob es DJ’s gibt die in der Woche einem normalen Job nachgehen und am Wochenende halt auflegen. Ich meine Leute die z. B. Metallbauer, Tischler, Arzthelferin, Bankkaufmann oder ähnliches sind.”
Ja, das geht, ich kenne eigentlich mehr davon als von jenen die lediglich von Musik leben, schließlich fängt fast jeder mal so an und bei den meisten wird auch auf ewig ein Aufstockerjob nötig sein. Das war auch schon immer so und nicht nur bei DJs, ich kenne Leute die bei der Lufthansa arbeiten und trotzdem einen Barjob im Club machen, ebenso Klempner, Sozialpädagogen, Landschaftsgestalter, Metallbauer etc. Leute die unter der Woche ganz normalen Berufen nachgehen und am Wochenende der Liebe zur Musik frönen finde ich eigentlich ganz normal, weswegen es mich auch verwundert hat, das das Thema auf solches Interesse stieß.
Vielleicht schafft man das nicht jedes Wochenende, vielleicht wird es mit zunehmendem Alter schwieriger, mir fällt eher auf das die Lebensführung mit Familie oder Karriere da eher den Schlußstrich zieht.
Ist natürlich auch immer eine Frage, was man sich von dem szeneaffinen Job erhofft, wenn man mit mindestens einem Auge auf Fame, Koks und Nutten geschielt wird, nun, früher oder später muß man sich da wohl für das eine oder andere entscheiden. Nicht nur weil die Welten so unterschiedlich sind, das Schizophrenie noch das wünschenswerteste Ergebnis sein dürfte, sondern auch weil das, egal in welcher Position, dann eher zum Fulltime Job ausartet, denn die Professionalisierung ist auch hier weit voran geschritten. Alleine das viele Reisen dürfte schon ein Ausschlußkriterium für jeden Chef sein.
Aber wenn es nur darum geht mit anderen eine gute Zeit zu haben und der Liebe zur Musik zu frönen würde ich sagen, geht absolut klar.

Kommentare (16) Schreibe einen Kommentar

  1. WORD! vielleicht noch ergaenzenswert, das vieles was im sogenannten “szeneaffinen bereich” laeuft und an geld verbrannt wird, erst durch “normale” jobkarrieren und rueckhalt in familie, freundeskreis, meezen, e.t.c. moeglich wurde.

    disziplin, fleiss, open mindness
    und der unverbesserliche drang, seinen eigenen zielen von einer anderen, vielleicht noch schoeneren, friedlichen welt zu folgen, KANN da ungemein hilfreich sein.

    fame, koks und nutten sind doch eher was fuer eine andere clientel, als denn fuer musikbegeisterte, HART arbeitende menschen.
    zumindest, wenn familien in diesem “gelobten” land, mit dem arsch an die wand kommen wollen.

    doch ein ganz wichtiges zutaetchen,
    ist immer noch das kleine bischen glueck,
    was ausser arbeit (nicht nur job, wenn vorhanden!), mut, genussfaehigkeit und echten freunden,
    den weg zum, wie auch immer gearteten, erfolg ebnet.

    so gesehen, schliesst das eine, das andere nicht aus.

    war das nicht eigentlich schon immer so?

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    • Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Frage ist doch eher sind die rumjetteten Super-DJ’s noch Szeneaffin?

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      • Hi, da wir neu sind hier.. sitze gerade mit meiner Frau (mutter meiner drei Kinder), alle 2-3 Monate im BH zu gast, und versuche/ versuchen uns gerade am Thema. Gerhard, Deine Frage beschäftigt uns schon lange! Die Antwort lautet ganz klar-Nein. In dem Moment, als sich der Dettmann im privat-Jet fotografieren läßt.. als Resident ist er szeneaffin, Mittelpunkt der Szene, als Poser neben Hawtin zeigt er jedoch sein höchst kleinkariertes geistiges Konterfei, sorry. Weil dann nicht mehr das gilt womit man eigentlich so viele Texte beenden könnte ”eine gute Zeit zu haben und der Liebe zur Musik zu frönen”, wie Tanith das so treffend formulierte. Man kann ihm das nicht wirklich übel nehmen, sorgt er doch nebenbei mit seiner Arbeit für Frau und Kind. Wahrhaftig unterscheideter sich aber gerade darin echte Affinität und echte Passion. Wir sehen ihn mehr als Arbeiter, Pendler, Sklave seines eigenen Terminplanes. In der Tat kann man ihm das nicht verübeln wenn er dafür sorgt daß er und seine Familie über die Runden kommen. Aber Szeneaffinität kann ihm dann nicht mehr wirklich unterstellen. Er ist keine Bereicherung mehr sondert bereichert sich.

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  2. Schade, dass das Thema augenscheinlich so schnell abgehandelt ist. Liegt aber wohl (auch) daran, dass im Laufe der Zeit jeder seine persönliche Einstellung dazu finden muss und dadurch auch jeder seine eigene wechselseitige Geschichte hat.

    Ich kenne jedenfalls auch mehr Leute mit “normalem” Job (was ist heute schon normal?), die trotzdem auch Teil einer “Szene” sind – gerade erst gehabt: der Techniker eines Clubs war nach party um 9 daheim und am Sonntag 15 Uhr ging es von Berufswegen her gleich weiter mit dem Abbau eines alten Mediamarktes.

    Ich persönlich glaube ja, dass es Schlüsselmomente im Leben eines “szeneaffinen” Menschen gibt, an dem sich Dinge entscheiden: z.B. ob derjenige in Zukunft allein von der Musik leben kann oder (wenn die Entscheidung schon gefallen ist), ob sich Musikmachen und Musik leben (im Club oder sonstwo) mit Familie, Karriere etc. vereinbaren lässt.

    Dass das geht, zeigen viele Menschen, aber beides erfordert wohl Abstriche bzw. bringt Herausforderungen mit sich: der selbstständige Musiker z.B. muss schon allein eine wesentlich höhere Gage für seine Arbeit verlangen und ist damit abhängig von Auftritten und Menschen, die bereit sind, dafür auch so viel zu bezahlen…der Familienmensch muss vermutlich daheim immer wieder Kompromisse finden: wie oft im Monat kann er sich erlauben, wegzugehen oder wie viel Zeit darf am Tag für die Beschäftigung mit Musik draufgehen usw.

    Bei mir selbst lässt sich das bis dato sehr gut vereinbaren, aber bei wesentlich mehr Netto-Arbeitszeit und familiären Verpflichtungen sieht das Ganze wohl schon um ein gerüttet Maß anders aus.

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  3. was ist denn “szeneaffin” – das mann sich in der szene zum affen macht, um affin zu sein?

    ab wann ist man denn “affin”? wenn man am sven vorbeikommt oder erst, wenn man sich nicht einmal mehr anstellen muss? wenn man überall auf gl reinkommt oder braucht man unbedingt ein “all area vip-bändchen”?
    muss man konfetti in den taschen haben oder leuchtsäbchen (in grün, rot oder weiss?) dabei haben oder dürfen es auch h&m-klamotten sein?
    darf man an der bar tanzen oder outet man sich damit sofort alternder oldshoolraver aus längst vergangenen zeiten?

    darf man als affiner einen “normalen” job haben oder muss man ein arbeitsloser multimediaspezzie mit harz4-bezug sein?

    fragen über fragen. und fast keine antworten.
    etwas dürftig diesmal die bearbeitung des wochenthemas. sorry :(

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    • so billig kommst du da jetzt nicht raus. ;)

      denn klar müsste man, bevor man die frage beantwortet, ersteinmal erklären, was dieses “szeneaffin” denn eigentlich meint. erst wenn diese frage einigermaßen beantwortet ist, dann kann man sie auch befriedigend beantworten.

      also ab wann darf man sich selbst als szeneaffin bezeichnen? ab wann wird man als solches wahrgenommen?
      wie oft muss man weggehen? wie sehr muss man bescheid wissen? welchen stellenwert muss die szene für jemanden haben, der sich selbst als “affin” bezeichnet oder möchte, dass man ihn als “affin” betrachtet?

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  4. sind die globalen djs die nebem auflegen noch arbeiten dann anders ?

    oder betreibt gar ein paul van dyk heimlich noch seine kleine tischlerei und is schon meister ? :-D

    oder…welche affen ham das ding zum thema der woche gewählt ?

    grammy hät ich interessanter gefunden… gruselig was da so “gewonnen” hat

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  5. Buchempfehlung zum Thema ergänzenderweise:
    “WOVON LEBST DU EIGENTLICH?”
    -vom Überleben in prekären Zeiten.
    Autoren/Hrsg.: Jörn Morisse/Rasmus Engler
    (& div. “Compilation-Beiträge)

    ähm, auch irgendwie “affin”…

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  6. Die Frage ist eher, was macht man nach der Karriere. Typisches Beispiel: Lange Jahre erfolgreicher DJ, dann werden die Gigs weniger und die Clubs schäbiger. Neue Talente rücken nach und drängen ihn in den Hintergrund. Was macht er nun?
    Die meisten werden sich schwer tun in einen 9to5 Job zurückzukehren und nicht jeder hat das Glück irgendwo in der Musikindustrie zu landen.

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    • zudem…der dj is ja n bissl wie n alter lude hier aufm hamburger kiez…zur goldenen zeit geld ohne ende und dann kam das rasche ende…und die kohle war auf weg… wer gut wirtschaftet brauch später nur noch n job um nich zu rosten :-)

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  7. arbeite als programmierer und schraube nebenher techno-tracks, ab und zu auch mal als liveact und habe damit meinen frieden gemacht.
    der job sichert mein grundeinkommen und ich kann mir für mein studio spielzeuge leisten, von denen ich früher nur träumen konnte.
    ausserdem muss ich bei meiner mucke keine kompromisse eingehen.

    als ich noch “jung” und “szeneaffin” war, ging auch
    jeden tag unter der woche von 7.30 – 16.30 an der werkbank und frässmaschine stehen, um dann nach feierabend mit freunden im keller an den maschinen techno zu schrauben und fast jedes wochendende die nächte um die ohren schlagen… heute unvorstellbar.

    meine erfahrung/beobachtung: neben glück brauchts für den muikalischen durchbruch vor allem gutes netzwerken,
    die vollzeit-dj’s, die ich kenne, beherrschen das sehr gut.
    vitamin B ist imho wie in jeder branche auch beim dj’ing notwendig, damit genug fürs (über)leben rum kommt.

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  8. Ich gebe Wolle recht- meine erste Frage für mich- Was ist szeneaffin? Gilt ein Querschnittsgelähmter der niemals die Treppe im Berghain hochkommt und niemals ein Klo im Undergroundkeller benutzen werden kann, der dennoch mit Leib und Seele via Netz zu 98% von zu Hause aus seiner Passion- elektronische Tanzmusik frönt, noch als szeneaffin?

    So ein Quatsch.

    Sein wir ehrlich, es ist in 14 verdammt schwer, das “Technoding” als Lebensentwurf durchzuziehen und wohl auch ziemlich engstirnig/ kleingeistig obendrein. Das ist doch kein Bikerclub hier! Ich freue mich total darüber, dass die Idee des Punk wieder eingezogen ist, da die Produktionsmittel im Vergleich zu 1990 so günstig geworden sind und auch Vertriebswege sich komplett den Gesetzen des Marktes widersetzen können.

    Wenn ein Herr Dettmann mitm Learjet von Termin zu Termin hetzen will, dann hat er sich aus meiner Sicht für die Dunkle Seite der Macht entschieden, aber das ist sein Ding. Gutfinden kann man ihn trotzdem, muss aber nicht hingehen und seine Mucke gibt´s immer irgendwo. Das wissen wir, das wissen die Künstler, also kann man so seine Missbilligung auch ausdrücken.

    Ich bin mittlerweile aufgrund von Familie sowas von draussen, was aktuelle Undergroundclubs, Wochenende durchziehen, abfeiern usw. betrifft, sehe mich auch gar nicht als Teil einer Szene- wo eine Schlange ist, stelle ich mich schon seit 10 Jahren nicht mehr an.
    Dennoch habe ich einen Bezug zu aktueller Popmusik :) genieße den Luxus, dass ich mir aufgrund meiner Erwerbstätigkeit jede Platte kaufen kann, die mir gefällt und gut ist. Dh. mittlerweile bin ich zum Konsumenten mutiert. Mein DJing reicht für mich allein und mit einigen Anstrengungen auch für private Partys, da man ja da eher den Dienstleister machen muss, was zuweilen aushalten/ schämen bedeutet. Ich habe aber meinen Frieden damit gemacht.

    Von daher geht auch Erwerbstätigkeit und NICHT szeneaffin ganz toll um hier mitreden zu können! ;)

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