Gerontologie im DJ-Gewerbe ist mal wieder Thema

Anscheinend aufbauend auf den Guardian Artikel, zu dem ich ja auch schon meine Gedanken geäußert habe, war das nun auch gestern in der SZ Thema.
Die Kritik am Stardj-Bizz und dessen Auswüchsen, wie Konzentration und Fokus auf diese, finde ich berechtigt, aber die Argumentation in diesem Artikel trudelt ein wenig oberflächlich, wenn man daran den Untergang des gesamten Dancegenres festmacht und somit genau die Mechanismen unterstützt, die es soweit kommen liessen. Als wenn die 3 beschriebenen Protagonisten das ganze Technogeschehen ausmachten und die Krise parallel zum Alterungsprozess laufen würde.
Auch wer heute noch Mayday oder gar die Loveparade als Parameter für Technogeschehen einsetzt haut m.E. ein wenig daneben.
Ebenso stimmt zwar “Ein Modell fürs würdevolle Altern bei 160 Beats pro Minute jedenfalls ist bislang nicht existent”, aber Modelle für 90 bis 130 BpM gibt es zuhauf und es wäre ignorant zu denken, das sich die Erstgeneration komplett abgewandt hätte, man raved halt ruhiger, was ja z.B. auch Erfolge wie die Panoramabar im seligen Ostgut ausmachte. Das ist dann halt vielleicht nicht so augenfällig wie Massenveranstaltungen, auch rubeltechnisch hat es nicht viel Impact, aber Clubland ist in Bewegung, zwar in kleinem Rahmen, es paßt sich den Gegebenheiten an und steht m.E. in einer Umwälzphase, wovon man nicht weiß wohin die Reise geht, ob danach Techno noch Techno heißt oder ob dieser den Weg aus den Clubs heraus in andere Gefilde findet, aber diese Transformation geht doch gerade durch die ganze Gesellschaft und von daher spiegelt Lalaland diese nur entsprechend wieder. Schließlich liegen da einige längst fällige Updates vor uns, der Abschied vom Vinyl ist nur eine Sache der Zeit, Clubbing wie es jetzt geschieht gibt es seit nunmehr 15 Jahren und ist durchexerziert, da werden die folgenden Generationen mit Sicherheit neue Formen finden müssen, alleine schon weil der Staat das Ding bis in die letzten Zipfel durchschaut und entsprechend reglementiert hat.
Techno ist nach wie vor ein Ding in Bewegung, sicherlich nicht mehr so prägend wie in den 90ern, aber er wurschtelt und versucht sich nach wie vor neue Wege zu finden. Das die alten ausgelatscht sind, daran besteht kein Zweifel, aber aus den unzähligen Nischen entstehen mit Sicherheit neue Dinge, die noch nicht absehbar sind und sowas läßt sich halt in diesem Stadium noch nicht wirtschaftlich messen, noch bei oberflächlicher Betrachtungsweise sehen.

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