Winterspott

Es ist definitiv Winter in Berlin, die Jahreszeit des permafrostigen Umgangs miteinander, wie sicherlich jeder bestätigen kann, der sich bei der Klirrkälte nach draußen verirren muß. So ziemlich jeder Bewohner hier wird mir zustimmen, das Berlin im Winter eher an Moskau zu Zeiten des Eisernen Vorhangs erinnert, während die Sommermonate schon fast barcelonesk daherkommen. Ich bin ja immer versucht, wenigstens ein paar Wochen in der Zeit zwischen Januar und März irgendwo in wärmeren Gefilden Exil zu suchen, klappt aber dieses Jahr nicht und ist mit Hund noch schlechter drin als normalerweise und gestern war’s dann wieder soweit, das mir ins Gedächtnis gerufen wurde, warum ich die Jahre immer im Winter kurz mal die Biege mache. Nicht genug, das seit über einer Woche hier alles unter einer glasklaren Eisschicht liegt, worauf man sich bewegen könnte, nein diese ist auch noch dort am dicksten und rutschigsten, wo normalerweise Wege sind. An manchen Ecken kann ich mich gar von Sy ziehen lassen, so macht Gassigehen richtig Spaß!
So auch gestern und als wir hier so um ne Ecke biegen, sehe ich schon wie so eine fette Tonne ihren Hund panisch zur Seite schiebt und dem fast die Augen zuhält. Ich wunder mich nur und geh weiter. In dem Moment geht’s auch schon los , die Alte keifert “Ja ick gloobs ja nich, nimmste den Köter vielleicht ma kurz wenn ick dit schon mache du Depp”. Ach wie schön, wenn man trotz allem gut gelaunt ist und mit lockerer Zunge erwidere ich “Ja wat willst Du dämliche Schabracke denn? Häßlich biste, fett biste, nicht mal deinen Hund kriegste erzogen, wat berechtigt dich denn deiner Meinung nach zum Leben auf diesem Planeten?” Oha, dank zerfetzter DjOhren ist mir das weitere sabbernde und zahnlose Wüten und Toben erspart geblieben.
Kichern mußte ich dann später schon, als ich die Tonne mit hochrotem Kopf und einer weiteren Tonne im Schlepptau, die zu allem entschlossen schien und ebenso verkommen und versoffen aussah und wohl ihren Mann und Saufkumpan darstellte, suchend in der Richtung sah in die ich ging. Dummerweise hamse wohl die Brillen vergessen, denn ich war durchaus in Sichtweite. War aber ein lustiger Anblick wie da zwei schnaubende und plusternde Tonnen in Ballonseide nach Rache gierten, die aber kein Gegenüber fand und zwangsläufig ins Leere verpuffen mußte. Hoffentlich ist bald wieder Sommer.

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