Rescue Time, ein Zeit und Gewohnheiten Tracker

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The quantified self continued, letztens der Fitnesstracker, nun der Zeit oder Prokrastinationstracker. Jeder Freiberufler und Computerarbeiter kennt das, man sitzt den ganzen Tag vor der Kiste und irgendwann verschwimmt ob das nun wirklich zur Arbeit gehört oder Ablenkung ist. Während des Uploads mal Twitter checken, zum Ohren auf Null stellen mal gucken was auf Facebook passiert ist, auf eine Antwortmail warten und oh gucke, der Reader zeigt ja auch schon wieder 900 ungelesene Artikel an und am Ende des Tages quält einen das schlechte Gewissen, weil man meint so viel Zeit mehr oder weniger sinnlos verdaddelt zu haben. Wäre ja mal interessant wie sich die Tätigkeiten, die man so über den Tag am Rechner macht, verteilen.
Nun ist mir ein ein Tool über den Weg gelaufen das tatsächlich alles trackt was man so am Rechner tut, hört auf den Namen Rescue Time und kriegt wirklich jede App und jede Webseite mit, auf der man ist. Natürlich kann man auch damit nur Annäherungswerte erhalten, das aber sehr gut, denn dankenswerterweise läßt sich auch einstellen, welche Seiten und Programme man zur Produktivität und welche zur Ablenkung zählt. Denn was für einen Journalisten Ablenkung sein mag, wie z.B. iTunes oder die Beatport Pro App, ist für andere, wie mich, durchaus mit Arbeit verbunden, also Produktivtool, während das Umhersurfen auf Newsseiten durchaus prokrastinative Züge annehmen kann, wenn es sich nicht gerade um z.B. Create Digital Musik oder DJ Techtools handelt. Wie so oft in meinem Beruf könnte das, was für andere als Entertainment durchgeht, also durchaus mit Arbeit verbunden sein, und das kann ich in Rescue Time auch so einstellen und tracken lassen.
Das Ergebnis wird dann grafisch hübsch aufbereitet und sieht folgendermaßen aus, wobei Blau für Produktiv, Rot für Ablenkung und Violett für Neutral, weil es das eine wie das andere bedeuten kann, steht:

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Sieht jetzt auch von den Proportionen her, was Arbeit und Daddelei betrifft, gar nicht mal so schlecht aus, also besser als es sich vorher anfühlte. Und dass ist jetzt nur die Kostenlosvariante, für 9$ im Monat könnte man sich jetzt noch einen Fokustimer freischalten oder, wer’s ganz hardcore mag, auch einen Websiteblocker für Prokrastinationseiten einrichten, auf die man dann erst wieder Zugriff erhält wenn man die eingestellte Produktivzeit hinter sich hat. Dazu gibt’s noch Benachrichtigungen wenn man Ziele wie 5 Stunden produktive Zeit geschafft hat, natürlich noch detailliertere Auswertungen und Reports und so weiter, aber was die kostenlose Version bietet reicht mir eigentlich schon für Zwecke wie Analyse des eigenen Computerverhaltens und Motivation die Ablenkung klein zu halten.
Creepy ist natürlich das man damit sein komplettes Onlineverhalten an einen unbekannten Server irgendwo in Amiland übermittelt, Rescue Time hat zwar eine ausgeprägte Privacy Erklärung und der Dienst besteht schon seit ein paar Jahren, trotzdem hat meine Recherche nicht ergeben das mit den Daten bislang irgendwas passiert wäre, aber für Ängstliche ist das sicher nichts. Für solche gäbe es dann z.B. Toggl, aber da muß man wirklich jeden Wechsel, wie der Name schon sagt, per Eingabe abticken, was man dann am Ende doch nicht tut, wäre ja auch unproduktiv.
Ich werde das mal noch eine Weile testen, aber auch hier bin ich , wie beim Fitnesstracker, anders überrascht als erwartet, nämlich das das Verhältnis zwischen produktiver und anderer Zeit am Rechner gar nicht so unausgewogen ist wie ursprünglich befürchtet, mal sehen ob das hält.
Jedenfalls nach Todoist für die täglichen Aufgaben und dem Mi-Band für die täglichen Schritte und Schlaf ein weiteres Eigenvermessungsprogramm, das einem sein tägliches Tun in hübsche Torten und Balken zerlegt, ich mag sowas ja. Mal sehen wie lange es noch auf sich warten läßt, bis all diese Apps APIs haben, auf das man all die Kreise wieder in einer App zusammenführen kann, aber da könnte einem in Sachen Privacy erst Recht Angst und Bange werden.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. sicher, dass es keine prokrastination ist, wenn man themenbezogene artikel liest? es wird doch erst dann sinnvoll, wenn man das gewonnen wissen gut für die eigene arbeit nutzen kann, z.b. um workflows zu optimieren oder so. oder anders gesagt, lieber musik machen statt über neue technik lesen wäre doch sinnvoller … :-)

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