Thema der Woche 3: Netaudio

Netaudio also, ziemlich aktuell wenn man sich das Netaudio Festival vom Wochenende anschaut (das ich für diesen Artikel gerne besucht hätte, aber aufgrund anderer Verpflichtungen verhindert war) und zeitgleich sieht, wie die ersten großen Acts, die einst beim Major releasten, Netaudio für sich entdecken. Sei es Radiohead mit ihrer du-bestimmst-den-Preis-Strategie oder die Charlatans, die ihre Single und Album gleich ganz für umsonst raushauen. Sicher eine Netaudioversion die noch neu und ungewohnt daher kommt, die wir aber in Zukunft sicherlich öfter sehen werden, denn nach RIAA-Urteilen wie dem letzter Woche, denke ich mal, das sich noch mehr Künstler fragen werden, ob sie den Evil Middleman noch brauchen bzw. ihm vertrauen sollen, wenn er in ihrem Namen die Fans in die Privatinsolvenz klagt.

Netaudio wie man es für gewöhnlich wahrnimmt meint jedoch Labels wie Thinner, Pulsar oder Stadtgruen, die oft ähnlich wie Labels mit physischem Tonträgerausstoß agieren und neben einem Releaseplan auch eine Labelethik vertreten, die viele Netlabels eint. Grob umrissen besagt diese Ethik, das man die Tracks gratis herausgibt, aber Spenden gerne annimmt. Viele Künstler treten bewußt keinen Verwertungsgesellschaften bei, sondern bedienen sich der Creative Commons Licence um ihre Rechte zu wahren, allein schon aus dem einfachen Grund, weil Netlabels mit Gemaabgaben, so wie sie im Moment gefordert werden, meist schon vor dem ersten Release Pleite wären. Viele Netlabels haben ja nichtmal einen eigenen Webspace, sind auf Archive.org angewiesen, denn Umsonstmusik zahlt keinen Traffic, wobei das mit dem Umsonst auch eine immer lautere Diskussion wird, wie ich finde.
Die ersten Netlabels entstanden bereits in den Zeiten des Napsterhypes, also so in den letzten beiden Jahren des letzten Milleniums, als die Bandbreite gerade ISDN erreicht hatte und DSL in Aussicht stand, es also keiner Folter mehr glich, sich Datenmengen von über 10 MB auf die heimische Festplatte zu saugen.
Die Anfangsbegeisterung war groß, klar, das Ding der Stunde, ach was, Zukunftsmodell freier Liebe zur Musik! Grundsympathische Sache und in Zeiten des Schranzwahns balsamte der Technodub vieler Netlabels die wundgeschranzte Seele. Ein wirkliches, nicht nur musikalisches Alternativmodell zu dem Techno der von vielen Tonträgerlabels kam. Unbeleckt von Verkaufssachzwängen und nicht im Bett mit dem Gemazuhälter, dazu oftmals der perfekte Soundtrack für Computerarbeiter und auch grafisch nutze man meist die Möglichkeiten, die das Netz im Gegensatz zum Sparzwang der Tonträgerwelt bot, in der jede zusätzliche Coverfarbe den Breakeven illusorischer macht. Man konnte klotzen anstatt kleckern, haute opulente 20 oder 40 Track Sampler raus, die so gut waren, wie sie Nische waren und zeigten wie sexy der Abenteuerspielplatz ohne Eintrittspreis und Anreiseweg im Gegensatz zum Major-Themepark nebenan mit hohem Eintritt, vielen Verbotsschildern und zunehmend unsexy Formaten sein konnte.
Und hier fängt dann mein Vorwurf an, seitdem ist nicht viel passiert in Webaudioland, Netaudio wurde synonym mit verdubtem Techhouse, Frickelminimal und Ambient auf der einen Seite, Mashups, schräger Indie und Fieldrecording an anderen Fronten und schob sich, wo immer auch möglich, selber in die Ecke des Vorspiels zum “richtigen” Label, wo dann die Releases erscheinen sollten, die es an dem Markt vielleicht schaffen würden. Verständliche Strategie vielleicht, auf lange Sicht klug in den meisten Fällen und im Hinblick auf die Zukunft eher nicht.
Wenn man sich den heutigen Tonträgermarkt anschaut hat man nicht unbedingt das Gefühl, das das, was man von Labels gemeinhin erwartet, nämlich den knallharten Filter, der nur das rauslässt was qualittativ bestehen kann, heute noch Bestand hat. Dafür stauen sich einfach zuviele gleichklingende Produktionen in den Regalen, so das schon der entnervte Plattenverkäufer resigniert mit den Schultern zuckt, wenn man fragt, warum man diese Platte jetzt noch kaufen soll, wenn man fast die gleiche von jemand anderem, auf anderem Label letzte Woche oder gar noch längerer Zeit, schonmal erstanden hat. Was Wunder aber auch, nachdem reguläre Tonträger zumindest im Technobereich zunehmend zu aufmerksamkeitsheischenden Visitenkarten degenerieren, die lediglich im Hinblick auf gut dotierte Bookings auf den Markt geworfen werden, auch wenn man zum Thema eigentlich nichts Neues zu sagen hat.
Aber wann hört man, außer bei Special Events wie dem besagten Festival, solche Musik schonmal in normalen Sets? Eher selten, da haben die Bezahlvarianten wie iTMS, Beatport, Whatpeopleplay, Bleep oder der Kompakt MP3-Store Netaudio längst überholt und den Rang abgelaufen.
Schade eigentlich, denn die Vorteile der mp3-Labels liegen eigentlich auf der Hand: sie kosten alle Seiten wenig, man kann die Tracks ohne Knastgefahr tauschen, es wird sich eher darüber gefreut, so sollte das mit Musik heute sein, man hat keine von Vertrieben oder Presswerken fremdbestimmte Vorlaufszeit, sondern kann aktuell auf Ereignisse, seien es klangästhetische oder gesellschaftliche, reagieren und man hat als Labelowner keinen solchen Papierkrieg zu führen, um nur mal einige zu nennen.
Aber all das verpufft in der Netlabel 1.0 Welt ziemlich ungenutzt in einer niedlich nerdigen Ästhetikhuberei, die zwar ihre Zeit hatte, welche aber gerne mal vorbei sein dürfte um sich stattdessen mal der Verbreitung und gerne mal auch einer Funktionalität außerhalb des nerdigen Monitoruniversums zu widmen.
Klar, es fehlt die mediale Präsenz, Netaudioreviews sind rar gesät, in einer Musikjournalismuswelt, die geprägt ist von gibst-du-mir-Content-geb-ich-dir-Anzeigengeld, und meine, als auch die allgemeine Aufmerksamkeit ist, außer in affirnen Kreisen, nach der Einstandseuphorie vor ein paar Jahren auch merklich zurück gegangen. Wer sich über den Stand der Dinge informieren will kann sich auf Phlow.net bzw. Phlow.de breitflächig informieren, speziellere Netfanzines für selektivere Geschmäcker hingegen gibt es nur selten und oft nur kurz. Kann sein, das es da draußen welche gibt, mir sind sie nicht bekannt und auch das spräche Bände.
Es wäre also mal an der Zeit für Netaudio 2.0, ähnlich dem Web 2.0, wo man vielleicht nicht mehr zeitraubend alle Netlabels abgrasen muß und immer noch das ungute Gefühl hat, das wichtigste verpaßt zu haben, weil unbekannt. Der neueste Clubhit oder gar Trend könnte mal aus der Ecke kommen und all das leicht über einen, oder meinetwegen auch drei oder vier, Akkumulatoren und Aggregatoren zu finden, Konkurrenz belebt auch da sicherlich das Geschäft für den potentiellen Kunden. Das Ganze könnte auch gerne gewürzt mit einem Musikjournalismus daher kommen, der sich angenehm abhebt von dem Anzeigenkundengehype der Printmedien, auf das die Netaudiowelt so bunt und einflussreich würde wie die Independantszene zu ihren besten Zeiten, denn im Grunde müßte Netaudio heute diese Aufgaben übernehmen, nur eben angepaßt zur Digitalen Ära. Manche mögen nun vielleicht behaupten da sei sie schon auf dem Weg hin, worauf ich erwidere: dann aber bitte mit Relevanz außerhalb der Nische. Die Möglichkeiten sind ja da und im Gegensatz zu den recht ausgelutschten Wegen des Audiovertriebs der angestammten Tonträger hat man viel mehr Möglichkeiten, diese billig und effektiv an den potentiellen Hörer zu bringen. Was fehlt ist ein Paradigmenwechsel hin zu Netaudio, der sich nicht nur auf Politik a la Creative Commons und kostenlos begründet, sondern eben auch mal den Staub an den Stellen aufwirbelt, wo bislang noch die Bezahlmodelle mit all ihrer Antiquiertheit dominieren.
Das Netaudio 2.0 kommen wird steht für mich außer Frage, nur wann und wie steht bislang noch in den Sternen. Obige Beispiele von Radiohead und anderen zeigen das auch da zunehmend mit diversesten Modellen Land und Möglichkeiten ausgelotet werden und auch das noch junge Netaudio könnte in naher Zukunft ein ganz anderes Gesicht haben, so das auch die virtuelle Labelvariante als Konzept veraltet anzusehen ist, who knows? Eigentlich dachte ich das es im Zuge von iPods, Final Scratch/Serato und Mp3s viel schneller kommt, ist ja klassisches Web 2.0 Gebiet und die Möglichkeiten sind dank der Vorarbeit des Web 2.0 mit sozialen Netzen, Mitmachkultur und nie zuvor gehabter Bandbreite, immens, aber wie so oft (nicht nur) in der Netzwelt passieren die offensichtlichen Dinge zuletzt und am Ende anders als man denkt

Kommentare (14) Schreibe einen Kommentar

  1. Cooler Text:-) Was mir so auf die schnelle einfällt ist halt das Problem der Tracks: Meistens Minimal auf dem Mutter- und Ambient auf dem Tochterlabel. Vieles von dem klingt für meinen Geschmack recht beliebig – bei physischen Tonträgern geht es mir ähnlich. Wenn die Bandbreite größer wäre würde ich auch gerne was über Künstler und ihre Releases schreiben.
    Vielleicht hat ja einer von euch Tips für gute Netlabels. Wenn es die im Bereich Dubstep, Detroit, EBM, Elektro (mit dem Verständnis der 90er, nicht was heute unter Elektro verstanden wird), neuere Popmusik, Dub und Hip Hop gibt, wäre ich sehr erfreut davon zu hören. Nach meinem letzten Besuch im Hardwax habe ich ja gemerkt, dass es einen haufen geile Musik gibt aus den genannten Bereichen, auch wenn ich die Partys wo diese Platten gespielt werden, anscheinend nicht finde:-(
    Wie aber Netaudio2.0 aussehen könnte? Keine Ahnung. Stelle mir aber schon vor dass (Netz-)Magazine die Funktion des Filterns übernehmen könnten. Wenn die jeweiligen Autoren auch verschiedene Geschmäcker haben und nicht nur dem aktuellem “Groove-Paradigma” folgen, dann wird das sicherlich ne gute Sache!

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  3. HI. Also ich finde diese ganze Netaudioszene auch extrem interessant. Es dominiert zwar Minimal oder Ambient, was irgendwann auch langweilig wird, aber es gibt auch extrem coole Sachen aus dem Dub Bereich oder House/Detroit usw.
    Ideology.de ist zum Beispiel ein extrem cooles Netlabel oder sinnbus.de
    Allerdings habe ich festgestellt, das es zwar zeimlich toll ist soviel gute Musik runterzuladen, aber wenn man dann mal wieder im Plattenladen steht und ne echte Schallplatte in der Hand hält, und die auch noch gut ist, die Euphorie doch größer ist, als bei irgendeiner mp3 Datei. So gings mir jedenfalls letzte Woche. ;)

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  4. ich nutz das Netaudio ja auch gern, das Problem ist nur kein Netz, keine Musik, kein myspace, keine Freunde;-). Ich hab auch lieber noch ein Cover und Songbook….in der Hand. Dauert bestimmt nicht mehr lang, eh man sich komplett umstellt….

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  5. Im Grunde müßten Netlabels das Ding überhaut sein – kostenlose Musik wird doch im allgemeinen immer gerne gezogen.
    Doch irgendwie kommen eben diese Labels & dieses Modell nicht aus den Kinderschuhen hinaus. Ich glaube das liegt an folgenden Gründen.
    1. Die große Masse: Ich selber kenne ungefähr 150 Netlabels mehr oder weniger , wovon ungefähr 30 von mir unter näherer Beobachtung stehen. Vielen Labels merkt man aber an , das dort nicht nach kommerziellen Intressen gearbeitet wird. Oft – ja sogar sehr oft ist viel Schrott dabei. Die Perlen rauszufinden ist oftmals gar nicht so einfach , allzuoft hat man sich über 200 MB Datenmüll auf den Rechner gezogen. Bei vielen Netlabels fehlt einfach eine Vorhörfunktion , so gleicht das finden eines guten Tracks eher einer Lotterie als seriösem Musikentdeckens.
    Die praktischste Lösung sind hier natürlich die DJ Mix Labels wie Mixotic , Loopzilla oder Sonic Walker – denn auch im normalen Plattenkauf verläßt man sich ja allzuoft auf den Geschmack des jeweiligen DJs.
    2. Zu unbekannte Künstler: Im Moment ist das Modell Netlabel eher für das Bekanntwerden eines Künstlers von Intresse. Leute wie Kollektiv Turmstraße oder Mateo Murphy haben bei Netlabels angefangen & veröffentlichen nun bei “normalen” Labels. Nur allzu selten findet man den umgekehrten Weg – das ein bekannter Produzent mal was für ein Netlabel macht. Einzig bei UnFoundsound & bei dem neuen Harry Klein Label findet man bekannte Künstler. Fast scheint es so , als hätten die großen Namen Berührungsängste (also Tanith – wann kommt Deine Free-EP ?).
    3. Musikalische Eintönigkeit: Dub & Minimal wohin man schaut , andere Styles wie etwas härter Techno oder House , ja sogar Trance sind eher selten zu finden. Warum das so ist kann ich auch nicht sagen. Gibt es etwa auch hier Berührungsängste ? Stattdessen regiert sehr oft Musikalische Eintönigkeit (aber das würde ja schon erwähnt).

    Das Netlabel 2.0 müßte eine Vorhörfunktion haben , es sollte Bekannte Produzenten darauf veröffentlichen & vielleicht sollten sogar WAVE Downloads möglich sein , damit die Soundfreaks nicht über die Qualität meckern können. Dann müßten nur noch die DJs ihre Scheu von CDs wegbekommen & dann könnte es funktionieren.
    Ich finde es z.B. auch Schade , das bekannte Zeitschriften wie Raveline oder Groove das Thema Netlabel komplett ignorieren. Einzig die De:Bug hat diese Rubrik – aber auch nur in der Onlineausgabe. Ich glaube sogar , das sehr viel Leute da draußen gar nix von der Existenz der Netlabels wissen.

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  6. Ich habe eine ganze Weile über den Beitrag nachgedacht und bin auf die Idee gekommen, dass Du da einen anderen Bezug zu hast. Finde ich okay und will mich daran auch gar nicht aufhängen. Ich finde z.B., dass es durchaus in jeglichem Style gute Netreleases gibt. Vom Ambient bis hin zu NYC-Hardcore geht da alles. Nur suchen muss man eben. So wie in einem Plattenladen auch. Ich denke auch nicht, dass Netaudio die Aufgabe zukommt, Musik neu zu definieren, oder sich nun darum zu bemühen, neue Styles zu erfinden. Im Gegenteil; Netaudio hat immer versucht einfach nur gute Musik für jedermann zugänglich zu machen, ohne dafür zu kassieren. Und es sind durchaus Killertracks dabei rausgekommen, die auch der gemeine Deejay hin und wieder spielt. Ein Problem war und ist eben immer noch, dass ein Großteil der Rezipienten überhaupt keinen Blick dafür hat, was Netaudio so leiten kann. Man kauft seine Platten gefälligst oder doch zumindest die mp3´s. Alles was es umsonst gibt, kann nicht gut sein. Eine wohl weitverbreitete Attitüde im Kapitalismus.

    Es gibt soviele dermassen gute Netreleases, dass ich sie nicht zählen kann. Auch stilübergreifend.

    Zugegeben: Der Zenit schien erreicht. Selbst gestandene Netaudiokünstler waren der Meinung, dass Netaudio “tot sei”. Hinter den Kulissen brodelt es. Immer noch. Alle versuchen, Hardware Deals an Land zu ziehen, weil sie den Glauben daran verloren haben. Netlabels hauen reihenweise in die alte Labelschiene und wollen Geld für ihre Musik. Großartige Netlabels haben diesen Weg gewählt. Weitere werden folgen. Andere bringen einfach keine Musik mehr, weil die Macher mittlerweil das Produzieren für Vinyl bevorzugen. Ich bedauer das ein wenig. Es ist eigentlich nicht das, was es mal werden sollte. Man ergibt sich dem Markt. Vielleicht auch deshalb, weil man mehr erwartet hatte. Vielleicht auch, weil man es satt ist eine vollwertige Labelarbeit zu betreiben (incl. A&R, Promo, Mastering , dem Layout und dem ganzen Schnulli), ohne die Früchte seiner Arbeit leisten zu können – auch finanzieller Art. Klar, habe ich durchaus Verständnis für, aber es gefällt mir trotzdem nicht.

    Und nun kommen Radiohead und machen das, was Netlabels schon so lange machen und machen klar, dass genau da die Zukunft liegt! Wenn man den nun ersten Zahlen Glauben schenken darf, haben die 1,2 Millionen Downloads geschafft. Und das im Durchschnitt zu einem Preis, der nur leicht unter dem Ladenpreis liegt. Das ist schlichtweg eine Revolution! Oasis legt gleich nach, Jamiroquai, NIN sowieso und nun kommt auch noch Madonna daher. Sollte das bei 2-3 Platten dieser Musiker ähnlich gut laufen, werden noch viel mehr diesen Weg gehen, weil sie es leid sind, sich mit den Majors zu rumzuschlagen. Sie mit ihrer Kunst satt zu machen – für nichts. Man stelle sich das vor – und ich bleibe mal beim Mainstream, weil es die Tragweite deutlich macht – U2, Robbie Williams, The Police, die ganzen Inselrocker (wenn sie mal aus den Verträgen kommen) und was weiß ich noch wer, gehen diesen Weg; Dann haben wir eine völlig neue Qualität von Netaudio. Netaudio 2.0, wie Du es so schön umschrieben hast. Ich bin echt in der Verlegenheit daran zu glauben. Echt jetzt. Der Abriss der Majors beginnt gerade eben. Paradoxerweise durch jene, die sie erst so dermassen aufgebläht haben: die Künstler nämlich.

    Für die Netlabels, die es qualitativ verdient hätten, und das fallen mir spontan mehr als ein Dutzend ein, heißt es nun konzeptionell umzudenken um auch etwas davon zu haben. Ich meine nicht das Kopieren dieser Ideen, sondern neue innovative Konzepte. Dann bekommt die ganze Kiste ein neues Gesicht und ein ganz neues Ausmass.

    Und wenn sie clever sind, machen sie es ohne Beatport! Denn auch die haben ja in gewisser Weise Majorpotenzial. (Ich hoffe, die lesen hier nicht mit. :D)

    Ich glaube, Netaudio 2.0 hat soeben begonnen und wird alles (!) verändern. Auch die Arbeit der kleinen Labels wird sich darauf einstellen müssen, aber das kann ja nicht verkehrt sein.

    Ich hatte eigentlich was anderes erwartet, als ich meinte, “schreib doch mal was über Netaudio”. Ich weiß nicht mal genau was. Das es keine Lobeshymne werden würde, war mir von vorneherein klar, aber ich bedanke mich innigst für den Gedankenanstoss. ;) Merci!

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  7. ha, gern geschehen
    wir liegen doch gar nicht so weit auseinander, wie ich finde
    aber:
    netlabels sind oftmals ganz großartige musik und ich bescheinigte ja oben schon, das deren qualität und auswahl oftmals labels mit physischen tonträgern übertrifft, aber: z.B. für mein set habe ich da im technobereich eigentlich nie was gefunden, die domäne von netaudio war bislang nischenmusik und homelistening, was ja durchaus seine berechtigung hat, wenn man bedenkt, wo diese musik bislang zuerst konsumiert wurde, am rechner und bis vor kurzem zumindest, hauptsächlich stationär.
    nur hat mir das in den letzten 2 jahren zu sehr stagniert, ich hatte da sicher auch mehr innovationsgeist erwartet. Warum kommt nicht mal einer auf die idee netaudio besser als die andere seite zu machen, jedes label kocht da irgendwie sein süppchen, bildet netzwerke, schafft den sprung ins klassische label. ist sicher auch dem geschuldet, das nach wie vor hauptsächlich tracks von normalen labels in dj-sets schaffen, weil da nach wie vor vinyl der masstab ist. und auch das die bezahlversionen in den downloadshops eher genommen werden nimmt mich nicht wunder, wenn ich vergleiche wie lange ich brauche bis ich den ersten track finde, den ich mir ins set bauen würde und zwar egal ob das beatport, bleep, itms oder sonstwas ist, aber da hab ich alles schön gelistet, suchmaske, empfehlungen etc. bei netlabels hab ich bestenfalls den rss-feed wenn was neues rauskommt, ansonsten kaum eine möglichkeit wie bei den stores schnell was zu finden und das argument ” nur suchen muß man eben”, zieht nicht, da macht es sich netaudio einfach zu bequem, da sag ich “gib mir suchmaske” denn die zeit hat nicht jeder und man sollte sowas auch nicht verlangen, wenn ich mit dem comp suche bin ich mittlerweile spotlight gewöhnt und nicht das einzelne abgrasen der netlabel websites und sogar im plattenladen bin ich mit der suche und dem finden schneller. wenn ich schon nicht die knaller für mein set da finde, obwohl es sie vielleicht gäbe, wie sollen es dann die finden, die sich da gar nicht so reintun?
    Warum schafft es netaudio nicht, wo z.b. doch eh fast alle auf archive.org gehostet sind, ein system zu entwickeln das wie ein itms funzt? und dann gleich mit paypalbutton direkt zum label/künstler. warum muß sowas erst myspace machen?gerade wenn es um so netaffirne charaktere geht, wie netlabels und deren hörer. ich kann mir gut vorstellen, das zunehmend majorverdrossene und andere künstler bereit wären auf solch einer plattform zu releasen, denn, da sind wir ja einig, so richtig in fahrt kommt da ja gerade erst was. so ein discogs für freie musik wäre da ne blaupause: netcogs ;), mit dem vorteil das man die musik dort direkt hören, runterladen und zahlen könnte.
    ich verlange von netaudio auch (noch) nicht neue musikalische trends, das es das kann hat es allerdings mit dubbigem techhouse ja schon bewiesen ;), aber wenn da was passieren soll, dann muss da auch musik rauskommen, an der man gar nicht vorbei kommt, die man nur da kriegt und die mit netaudio auch verbunden wird.
    labels spielen aus vielerlei gründen in zukunft eine viel kleinere rolle, auch im netaudiobereich. schlecht für die motivation von labelowner, aber dem rest kann das ziemlich egal sein, auf vielen gekauften files steht nicht mal mehr das label in den tags, think about it!
    interesting times indeed, kann man da nur mit trent reznor sagen, denn was das für einen impact bedeuten kann, wenn netaudio 2.0 und majorfreie, bzw, labelfreie artists alle an einem strang ziehen, bzw als die besseren, innovativeren, faireren wahrgenommen werden, das könnte die verwerfungen die independant labels in ihren besten zeiten verursacht haben um längen in den schatten stellen, das könnte eine ganz neue zeitepoche für musik bedeuten.

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