Stefan Goldmann über Presets: Digital Shortcuts

Presets, bzw. deren schlechte Konotation in vermeindlich echten Musikerkreisen sind ja auch hier immer wieder als Thema für einen hyperventilierenden Aufreger gut. Wahre und echte Musik muß im Schweiße des Potidrehens und eigener Parameter gemacht werden, sonst ist sie eben keine solche. Ich war ja schon immer ein Skeptiker dieser zutiefst protestantischen Theorie, bzw. halte diese Denke für konservativ. Wenn man ganz pingelig sein will muß man nämlich auch die Bassdrum der 909 oder den Klang der 303 als Preset verstehen. Presets sind für mich nur Ausgangspositionen und das Gemäkel über diese meist nur Selbstpositionierung am professionellen Ende, weil nunmal eigentlich jeder auf dieser Augenhöhe mitreden will. Dabei sind Presets seit jeher auch Stil- bis Epochenbildend, seien es die der K1 im Detroit Techno oder der Juno und die M1 Pianos und Samples im UK Hardcore.
Ich selbst hatte z.B. vor Jahren großen Spaß daran ausgemusterte 2Step Sampling CDs zu erstehen, die keiner mehr haben wollte und en masse auf Ebay UK für kleines Geld angeboten wurden, einfach nur weil ich die Sounds und Rhythmen mag und damit gerne arbeite. Klar kann man sich auch die Mühe machen das alles selbst zu programmieren und hinzuediten, aber eben: Digital Shortcuts.
So heißt auch das Buch von Stefan Goldmann zu dem Thema, das ich noch nicht gelesen habe und mit Interviews u.a. mit Robert Henke und bietet laut Klappentext:

“For his first book, “PRESETS – DIGITAL SHORTCUTS TO SOUND”, Stefan Goldmann has talked to industry leaders, programmers, producers, musicians and fine artists to collect a comprehensive description of the world of preset audio: from synthesis to sample libraries, from instrument emulations and gear cloning to automated composition and performance – short cuts in electronic music, classical and traditional musics, guitar rock & fine arts are covered. Disruptive gear and iconic presets, their background and impact – from Korg’s M1, Yamaha’s DX7 and Roland’s 909 to Ableton Live, Native Instruments Reaktor, Sidechain compression and Auto-Tune – are discussed with unprecedented depth and clarity.”

Das Interview Am schöpferischen Nullpunkt mit dem Autor in Das Filter liest sich auch sehr interessant, wo auch noch näher auf das begleitende Album “Industry” eingegangen, das mit den schön provokanten Worten “0% Sounddesign, 100% Presets” untertitelt ist

Kommentare (9) Schreibe einen Kommentar

  1. Bin hier voll bei Dir. Entscheidend ist das Ergebnis. Und viele Klassiker hätte es ohne die tollen Presets der unbekannten Programmierer nicht gegeben. Wenn man alleine an die tollen Presets/Samples des E-mu Emulator oder an den D-50. Da haben Unbekannte tlw. ohne es zu wissen Klassiker mitgeschrieben.

    Danke für den Tipp.

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  2. aehm vorsicht bitte resistance88.
    die (preset)programmierer stehen im regelfall im handbuch bzw. im anhang selbigens, oder lesen auch hier mit, sofern noch im leben und interressiert.
    ferner habe ich alle hier genannten geraetschaften selbst im besitz und ich muss auch keinen schwanzvergleich scheuen. lang ist er nicht, aber schoen duenn!
    im uebrigen rate ich DIR resistance88, -hier gerne mal ungefragt -, DEINE FRESSE zu halten.

    gerne kann der blog-inhaber, meinen eintrag loeschen. ist ja sein blog. allein die galle kocht grad ueber. PUNKT.

    ps: netter vergleich mit der uhr, so rein theoretisch. ;-)

    RAVE ON —> ick geh mir mal auf meerforelle trollen, aehm schleppangeln. ;-)

    pss: verstehen, hat auch was mit lernen, also bildung zu tun. weniger mit verstand. (#grummel)

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  3. @KF Versteh ich nicht

    @R88 die 88 ist eine in unserer Kultur eine nicht so positiv besetzte Zahl oder?

    @theo 9. Stock

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  4. @kulturfluechter
    von Bildung und Verstand reden, aber andere Leute ohne Grund persönlich beleidigen. Und von welchem Schwanzvergleich redest Du? Muss man glaube ich nicht verstehen. Wenn Du meinen Eintrag lesen würdest, dann ist dies nur ein Dankeschön an Tanith für seinen Hinweis.

    @Theo
    resistance ist eine Hommage auf UR und 88 auf 1988. Hat also nix mit Politik zu tun.

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  5. @kulturfluechter
    noch was:
    ich habe keines der hier genannten Geräte. Hätte ich aber gerne…

    Und den Mund lass ich mir von Dir sicher nicht verbieten. Du kleiner Meinungs-Fascho ;-)

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  6. Ich habe das Buch gelesen und finde, dass der Autor sehr spannende Ansätze findet, das Thema aufzurollen. Vor allem in der Wahl seiner Interviewpartner. Würde mich interessieren, was Tanith nach der Lektüre dazu meint.
    Trotzdem finde ich es ok, Sounds selber erstellen oder verändern zu wollen. Letztlich trägt dies eher zur Vielfalt bei und macht nebenbei auch viel Spaß. Aber ja, ein Dogma sollte es auch nicht sein.

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