Review: Joachim Lottmann – Auf der Borderline nachts um halbeins


Im Gegensatz zu seinen letzten beiden Romanen, ist das vorliegende Buch lediglich eine Sammlung von Texten die über Jahre entstanden sind und teilweise im Auftrag von Magazinen und Zeitungen entstanden, teilweise aber auch im Internet ihre Erstveröffentlichung, wie z.b. bei den höflichen Paparazzi, erfuhren. Das Blog zum Buch gibt’s bei der TAZ.
So unterschiedlich wie die Quellen und Themen des Buches sind, so sehr sind auch Licht und Schatten verteilt. Lottmann kann sehr passend angewidert die Dekadenz des deutschen Promipöbels beobachten, allerdings wirkt das auch oft durch lamoryantes Namedropping so, als würde er geradezu um deren Nähe betteln und man als Leser einer Hassliebe beiwohnt. Ganz schlimm wird’s allerdings wenn weibliche Wesen ins Spiel kommen, denn da hat der gute Lottmann einfach zu oft Druck auf dem Füller, als das man ihm die Beobachterrolle abnehmen würde, also mit Frauen hat er noch irgendein Ding abzumachen, irgendwie liest sich da einiges wie von einem notgeilen Opa geschrieben. Am schlimmsten war aber die Tokio Hotel Verklärung zu lesen, wo diese unter anderem mit den Beatles verglichen werden und Lottmann einige Superlative auffährt, die so absurd daherkommen, das man den Ironiebutton sucht. Andere meinen das wäre seine Art des totlobens, ich wäre froh wenn dem so wäre!
Lottmann bezeichnet sich selbst als ehemaligen Popliteraturschreiber, der dafür aber zu alt geworden sei. Die Basics finden sich allerdings auch hier wieder und in weiten Teilen ist das Buch auch durchaus gespickt mit treffenden Beobachtungen und pointierten Beschreibungen, nur eben an manchen Stellen ist’s ein Graus dem Autor als Berliner Stadtneurotiker zu folgen

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