Thema der Woche 29: Techno-Kultur- nur eine Jugendbewegung oder Grundeinstellung für das ganze Leben?

Ok, Techno und Kultur, damit gehe ich ja noch d’accord, Techno hat mit Musik und Tanzen zu tun, also per se schonmal was mit Kultur, trotzdem hab ich so meine Probleme mit dem Begriff Techno-Kultur. Zum ersten mal gestutzt über den Begriff habe ich in Frankreich auf einem Rave, wo lauter Kaschmirmäntel unterwegs waren und mich nach dem Set über deutsche Techno-Cültür ausfragten. Ist Techno freitags in der Disse, in der am Samstag die Kampftrinker zum Wet T-Shirt Contest gehen schon Kultur, oder erst das Staatsballett im Berghain? Ist es das Networking der Aktivisten oder die geschaffene Infrastruktur? Die aus der Feierei entstandene Toleranz, der Ohne-Gewalt-Konsens? Die Musik an sich und das Drumherum? Das gälte es erstmal zu klären, bevor wir hier das Techno-Kultur Fass aufmachen und da noch so Dinge wie Lebensleitfaden und Jugendkultur rein tun.
Wenn ich mir den Zustand von Techno im Allgemeinen anschaue, dann kann man beileibe nicht mehr von einer Jugendbewegung sprechen, dazu sind mir zuviele Schlüsselfiguren schon in den mittleren 30ern. Bin ich, nicht zuletzt auch wegen meines Alters, ganz froh drum, aber nicht nur deshalb behaupte ich mal, das das mit Techno und Jugendbewegung von Anfang an ein Missverständniss war und lediglich der Vermarktung diente oder dem was Dilletanen dafür hielten. Für eine Bewegung fehlt einfach mal der gemeinsame Nenner, da würden dann ja verbindliche Regeln und Ziele zur Verfügung stehen und das tut es ja beileibe nicht. Zu Techno tanzt der Jungunternehmer genauso wie der Hartz IV Empfänger, der eine nimmt Drogen und wählt CDU, der andere ist vielleicht Straight Edge und wählt gar nicht, so gesehen fehlt mir bei Techno definitiv ein Jugendbewegungscharakter. Mag sein das Techno dieser in den 90ern aufgehalftert bekommen hat. Vorzeigeveranstaltung war ja eine Zeit lang die Loveparade oder auch Mayday und allein schon dieses Raving-Society-Geseier, deucht mir, war nur ein kläglicher Versuch, sowas wie Jugend in die Bewegung zu bringen, die sich so ungreifbar amorph darstellte seinerzeit. Ein paar Bauernschlaue haben dann aus der Übersetzung und Vermittlung der Codes an andere Bauernschlaue eine zeitlang gutes Geld gemacht und während das anfängliche “Friede, Freude, Eierkuchen” der Loveparade noch als Tongue-In-Cheek verstanden werden konnte, weil die zuständigen Ämter mit einer Demo ohne Motto oder Message nicht klar kamen, war eigentlich alles was danach an Thesen an die Wand geschlagen wurde nur der krampfhafte Versuch die Sache Bahnen zu lenken, oder eben die eigene Deutungshoheit zu unterfüttern und sich als Sprachrohr zu etablieren, was dann mit dem Technohype der 90er durchaus auch einigen gelang. Ich weigere mich aber diese majorgesteuerte Hypephase mit Techno, Bewegung oder gar mit Kultur gleichzusetzen. Kultur ist eher wie sich Techno davon erholt hat und heute dasteht. Techno war eigentlich von Anfang an weniger jugendgesteuert als eher von Leuten, die ihre Sozialisation schon an ganz anderen Baustellen wie Punk, Industrial, Hi-Nrg oder sonstwo bezogen hatten und die 80er mit ihren Kokseinstellungen einfach satt hatten, keine künstlichen Abgrenzungen mehr bitte und einfach in Techno verloren gehen, anstatt beim Voguen auf die Pose zu achten.
Auch zu behaupten Techno wäre eine Lebenseinstellung halte ich für das Pferd von hinten aufgezäumt, während hinter Beatnick, Hippie und Punk noch eine Einstellung oder ein Konsenslebensgefühl herrschte, war das bei Techno nie der Fall oder was hat der Kröcherfan mit dem PvDfan gemein, oder der Spiral Tribe Anhänger mit einem Hell Gigolo? Techno und seine diversen Verästelungen stellen für viele vielleicht den perfekten Soundtrack für ihre Lebenseinstellung dar, aber den Soundtrack zur Lebenseinstellung zu machen? Also das Leben ist kein Tanzlokal und für Religionsersatz gibt’s bessere und ergiebigere Quellen.

Kommentare (21) Schreibe einen Kommentar

  1. Hm. Dieser Tage wird ja viel über die 68er diskutiert. Das war vor meiner Zeit, aber je genauer man den Veteranen zuhört, desto diffuser wird das Bild. Ist es nicht letztlich bei allen Bewegungen so, dass sie nie ein einheitliches Gebilde darstellen, dass sehr unterschiedliche Leute mit sehr unterschiedlichen Zielen und Vorstellungen sich zusammenfinden, um gemeinsam etwas Neues zu kreieren, von dem am Anfang keiner so recht weiß, wo die Reise hingeht? Aber das ist für mich gerade das Spannende daran.

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  2. Uff,
    als ich das Thema der Woche lass, war ich schon wieder derb am abkotzen, aber du hast die Thematik erkannt und das Thema deshalb Lesenswert gemacht. Jugendkultur, solche Begriffe werden eben von Kaschmirmantelträger geprägt die dann mal ein paar Stunden so ein “Phänomen” beobachten…Hype Hype Hype….sehr schön beschrieben und ausgedrückt. Wer lässt sich schon gerne deffinieren und die wo es einfachen machen brauchen die Deffinition sowieso nicht…

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  3. den Schlusssatz unterschreibe ich voll und ganz.
    Tanzen an sich ist schon eine uralte Kulturform, (was war zuerst da, die Trommel oder der Tänzer?;-))von daher ist es doch scheißegal wonach man gerade so zappelt…

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  4. @flashfrog: ich denke auch das die intentionen und vorstellungen der mitglieder jeder bewegung bei eingehender betrachtung so unterschiedlich sind wie die menschen selbst, aber am anfang steht erstmal das gemeinsame interesse, das dann über die zeit von den unterschiedlichen prägungen der einzelnen aufsplittert und verästelt, so wie bei techno eben auch. wo die reise hingeht weiß man ja am anfang nie, aber ein grundkonsens ist schon nötig, sonst bewegt die bewegung nichts, sondern läuft wieder auseinander.

    @DoctorBenway: ich glaube jugendkultur war was aus dem letzten jahrhundert, so rock’n roll, hippies, punk etc, aber das konzept ist spätestens dann aufgeraucht, wenn H&M oder andere höker diese schon vermarkten bevor die erblüht. man kann olche sachen heute auch nicht mehr am alter festmachen, da hat sich was gewandelt in den letzten jahrzehnten. sowas wie gegenkultur zur abgrenzung gegenüber dem mainstream funktioniert nicht mehr, wenn sixt provokanter textet als der punk auf seiner jacke ;)

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  5. @Tanith
    ja kann ich dir nur Rechtgeben, wobei das bei punk wohl am extremsten war, denn Punk war ja nix gewachsenes, etwas was aus einer Szene erblüht ist, sondern der erste Style der gstylt wurde. Ich beobachte die Gegenkultur heutzutage als eine Gegenkultur zu den freiheitlichen Werten die wir deunter anderem den 68′ zu verdanken haben. Es kommt mir wirklich so vor, als seinen verdammt viele Leute echt megamäßig angepasst und gefallen sich darin auch noch, gerade von den jüngeren. Beispiel? Zum Beispiel musste eine Emanzen Friedensbewegung Bio 80er Mutter neulich ihre Tochter zu einem Lionel Richie Konzert begleiten…Weil der so toll ist….Die Mutter erzählte mir dann, sie weiss auch nicht was sie in der Erziehung falsch gemacht hat. :-)

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  6. @ Tanith
    womit könnten deine Kinder dich quälen? Mit seichter Fahrstuhlmusik und aktiver CDU Migliedschaft womöglich? Seitenscheitel und Bundfaltenhosen (Cord) Hemd, vorzugsweise mit Krawatte. Die Tochter mit Zopf und Pony vorzugweise im Kostüm bemüht sich gerade um eine Stelle in einer Bank oder Versicherung und will einen Typen heiraten der eine Mischung aus Gudio Westerwelle und Helmut Kohl darstellt (äussere und innere Werte) Das ist Rebellion, mein Gott ! Hoffentlich werden wir davor bewahrt.

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  7. Ich habe es immer gewusst: Ich bin ein Techno-Hippie!

    Danke. Toller Text, auch wenn er etwas zu kurz kommt, haben doch diverse Stil-Äste von Techno sehr wohl Lebenseinstellungscharakter. Nur das hätte wohl den Umfang eines Buches.

    @DoctorBenway: Sage deinen Kindern niemals, womit sie dich “qäulen” könnten, denn sie werden es tun. Ganz sicher.

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  8. “Ok, Techno und Kultur, damit gehe ich ja noch d’accord, Techno hat mit Musik und Tanzen zu tun, also per se schonmal was mit Kultur, trotzdem hab ich so meine Probleme mit dem Begriff Techno-Kultur.”
    Ok Tanith, der Begriff ist etwas “unglücklich gewählt gewesen, es geht um den kleinsten gemeinsamen Nenner im Underground, wenn mal einen Trennstrich zum Overground, Kommerz, wo auch immer der beginnt, ziehen möchte.
    Natürlich besitzt so ein Variable keine Deutungshoheit, aber irgendwie finde ich schon, daß man sich doch immer irgendwie über eine Einstellung zu einer Sache positioniert, auch als Freund elektronischer Musik. Man mag bestimmte DJ´s, Stile, die haben sich in 15 Jahren auch verändert, mehrfach.
    Anfangs war es sogar das die Party im Focus war und nicht eine DJ Persönlichkeit. Das hat sich auch alles verändert.
    Für eine Bewegung fehlt einfach mal der gemeinsame Nenner, da würden dann ja verbindliche Regeln und Ziele zur Verfügung stehen und das tut es ja beileibe nicht. Zu Techno tanzt der Jungunternehmer genauso wie der Hartz IV Empfänger, der eine nimmt Drogen und wählt CDU, der andere ist vielleicht Straight Edge und wählt gar nicht, so gesehen fehlt mir bei Techno definitiv ein Jugendbewegungscharakter.”
    Nunja, Heterogenität ist ja auch ein Muster. Im übrigen ist der typische Wähler auch ein Klischee, weil sich die Gesselschaft immer stärker individualisiert. Ähnlich wie der HartzIv Empfänger ein Doktorant oder ein Hilfsarbeiter sein kann. Insofern sind auch deine Beispiele nur subjektive Deutungshilfsmittel. Im übrigen hatte die Bewegung anfangs schon typische neue Erungenschaften, denke nur mal an Strobogewitter, Afterhour, illegale Raves , Flyerartwork, das gab es so weder Bei Rock noch bei DiscoDisco.
    “Auch zu behaupten Techno wäre eine Lebenseinstellung halte ich für das Pferd von hinten aufgezäumt, während hinter Beatnick, Hippie und Punk noch eine Einstellung oder ein Konsenslebensgefühl herrschte, war das bei Techno nie der Fall oder was hat der Kröcherfan mit dem PvDfan gemein, oder der Spiral Tribe Anhänger mit einem Hell Gigolo? Techno und seine diversen Verästelungen stellen für viele vielleicht den perfekten Soundtrack für ihre Lebenseinstellung dar, aber den Soundtrack zur Lebenseinstellung zu machen? Also das Leben ist kein Tanzlokal und für Religionsersatz gibt’s bessere und ergiebigere Quellen.”
    Stop, Stop…die Verästelung hat doch auch erst vor 15 Jahren eingesetzt.
    1992 hat ein Väth im Omen noch Hardfloor, The Prodigy und Visions of Shiva spielen können. Heute sind das drei getrennte Baustellen. Wobei The Prodigy auch schon mindestens zweimal völlig andere Stilrichtungen eingeschlagen haben seit Ihrer Gründung.

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  9. hci beobachte die jugend von heute ist viel zu angepasst, trotz habitus, welcher wie corporate design rüberkommt, weil sie damit besser dem gesellschaftlichen druck standhalten.

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  10. @wolke909: ich verstehe schon worauf du hinaus willst, trotzdem kann ich z.b. keinen “kleinsten gemeinsamen nenner des undergrounds” erkennen oder benennen. den der jeweiligen szene ja, aber allumfassend für den ganzen technobereich? würde ich mich nicht wagen. ebenso der trennstrich, für die einen ist es trance, für den nächsten scooter und aktuell vielleicht 3TW, aus anderem blickwinkel ist vielleicht schon platten verkaufen kommerz, also einheitlich seh ich da nix. trotzdem wie gesagt, ich verstehe was du meinst würde es dann vielleicht eher technokonsens nennen, aber so richtig existent ist der eben, zum glück, nicht.
    und das sich viel verändert hat steht außer frage, sonst wäre es ja eine tote kultur und das wollen wir ja mal nicht hoffen!

    den typischen wähler sehe ich auch nicht, deswegen habe ich diese beiden extremtypen auch eher als variable für alles dazwischen verstanden

    die verästelungen waren doch schon von anfang an da, der unterschied zwischen z.b. nugroove und pcp war doch schon 89 auffällig. aber was hat das mit lebenseinstellung zu tun?

    @freki & la casa: jugend disen ist sooooo eltern ;)
    BTW la casa, ich würd mich da nicht so weit rauslehen, die könnte ebenso mitleid für deine jugend ohne internet, handy und was weiß ich noch haben ;)

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  11. stimmt, tanith :-(
    und wer unbedingt eine Jugendbewegung braucht kann auch zur npd gehen. da hat man schnell ganz viele kameraden, die machen schöne terrorcamps mit lagerfeuer, marschieren zu lustigen trommelrhythmen und vermittel fetzige ideologien. ;-)

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  12. @Tanith: Naja, du hast deine Befreiung und Sozialisation halt mit Punk durchgemacht, für die ein paar Jahre Jüngeren wars halt Techno, in welcher Ausprägung auch immer. Eine Bewegung braucht für mich keine Dogmen.

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  13. Hmm… also ich habe lange gebraucht, hierzu einen Kommentar zu schreiben – Hauptsächlich, weil ich einerseits Dir, Tanith in manchen Dingen vollkommen zustimme, andererseits habe allerdings auch den Eindruck, das Du es Dir vielleicht ein wenig einfach machst, in dem Du die Kinoszene der 90er lediglich als “majorgesteuerte Hypephase” abstempelst.

    Ich denke schon, das da mehr hintersteckt.
    Allerdings ist mein Gedankengang in dieser hinsicht etwas komplex, weshalb ich befürchte, das dieser Kommentar recht lang sein wird – Dafür entschuldige ich mich schonmal im vorraus: ;)

    Auf den ersten Blick tue ich mich auch schwer, die Technobewegung der 90er als “Kultur” zu bezeichnen; denn unter Kultur verstehe persönlich die Lebensart und die Entwicklung von Völkern und deren im Zuge der Evolution resultierenden Traditionen, Bräuche und Künste.

    IMHO hat die Technoszene weder das eine, noch das

    andere.
    Aus dem selben Grund denke ich daher auch nicht, das man die Hippie- und Punkgeneration als Kultur bezeichnen kann; wohl aber als eine -z.B. infolge des

    kalten Krieges und der beginnenden Globalisierung – gewachsenen Lebenseinstellung.
    Ich glaube aber, das eine weit verbreitete Lebenseinstellung durchaus den Grundstein einer kulturellen Entwicklung legt und – sofern sie lange genug anhält

    und über Generationen hinweg weitergegeben wird – eines Tages dazu “Kultur” wird.

    So gesehen stellt sich also die Frage: Hat/hatte die Technoszene der 90er eine Lebenseinstellung?
    Freie Liebe? Das recht zu Feiern bis der Arzt kommt? Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt in einer Welt ohne Kriege?

    All das hatten wir doch schonmal in den 60ern und ist von daher nichts wirklich neues. Peace-Love-Unity? Sorry, aber mit dem Mist konnte ich nie etwas

    anfangen. Es ist zwar auffallend, wie friedlich die Raves der 90er von statten gingen, aber das hatte wohl eher andere Ursachen, als eine Lebenseinstellung

    von Frieden, Liebe und Gemeinschaft.
    Bliebe also noch also noch die viel genannte Liebe zur elektronischen Musik. Obgleich es nicht unbedingt eine Lebenseinstellung ist, ist sie dennoch das

    Hauptelement des Technos ist, kann sie eigentlich nicht der Grund sein, das Techno in den 90ern auf einmal so erfolgreich war, da Synthesizer schon in den

    70ern recht weit verbreitet waren.
    Theoretisch könnte man schon fast sagen: Techno (im sinne von elektronischer Musik) ist bereits fast 50 Jahre alt. Schließlich wurde mit Moog in den 60ern

    eine der ersten Synthesizer gebaut :D

    Bereits 1972, als Hot Butter mit “popcorn” einen Megahit landete oder ein Jahr später, 1973, Mike Oldfield mit Tubular Bells ebenfalls sehr erfolgreich wurde, hätte Techno den Durchbruch schaffen können.
    Wer kennt nicht die Synthesizer Perlen von Jan Hammer und Kraftwerk?

    Nun kommen wir aber zu dem Punkt, indem ich etwas anderer Ansicht bin wie Tanith, der “majorgesteuerte Hypephase”.
    @Tanith, bist du wirklich der Überzeugung, das Majorlabels einen Musikstil über eine Dekade hinweg hypen können? Das glaube ich nicht. Wenn dem so wäre,

    würden wir heute vermutlich immer noch mit “New Kids on the Block”, “Take That & Co” zugedröhnt. Majors mögen dem geneigten Hörer vielleicht suggerieren

    welcher Künstler gerade “in” ist, aber ich bezweifle doch, das deren Macht ausreicht, eine ganze Musikrichtung über einen so langen Musikraum zu pushen.
    Das schaffen die noch nicht mal mit den heutigen medialen Werbemöglichkeiten: Ein gutes Beispiel sind die derzeit so beliebten casting-shows.
    Also ich kenne niemanden, der Aufgrund eines Daniel Kübelböcks oder Mark Medlocks auf einmal nur noch Musik á la “You are my Baby” oder irgendwelche

    Schnulzen hört ;)

    Was ist also der Grund, das in den 90ern jeder auf einmal Techno hörte? So blöd es klingt, aber ich denke, das es (besonders in Deutschland) möglicherweise

    etwas mit der Wende zu tun hat.
    Wann fing der ganze Hype denn an? In einer Zeit, in der Die ganze Welt im Freudentaumel war, in der man noch von “blühenden Landschaften” träumte, in einer

    Zeit in der es der deutschen Wirtschaft auf einmal außerordentlich gut ging. das war um 1990.
    Gleichzeitig war es aber auch die Zeit, in der eine ganze Jugendgeneration mit einem schlag sämtliche Werte verloren gingen. Der langjährige Klassenfeind war

    auf einmal deren Freund, und alles den kalten Krieg betreffende, was einem über jahre hinweg eingebleut war, ist auf einmal wirkungslos gewesen.
    Die Welt sich auf einmal in einer art Sinnkrise, da Sie sich neu orientieren mußte.
    Vor allem das wieder frisch vereinte Deutschland suchte nach einer neuen Identität, was sich natürlich auch auf die Musikbranche auswirkte.
    Etwa zur selben Zeit schwappte auch die technowelle immer stärker Deutschland über.

    Neue Politische Situation, alle sind glücklich, neue Musik und die darüber hinaus noch auf der Such nach Selbstfindung? Politiker und Eltern hatten in der

    Zeit alles andere zu tun, als neue Werte zu vermitteln und so begannen sich die meisten über die “neue” Musik zu identifizieren
    wer weiß, möglicherweise ist das auch mit einer der Gründe, warum Djs auf einmal -besonders in Westdeutschland- zu den neuen Idolen wurden.

    Die Majors sind IMHO irgendwann nur auf den Zug aufgesprungen, weil sie das potential in der neuen Musik erkannt hatten. Als dann ende der neunziger alle

    Blumen auf den blühenden Landschaften verwelkt waren, und die Generation Golf allmählich von einer anderen Generation (mit neuen, anderen Problemen) abgelöst

    wurde, und die Zielgruppe von einst, allmählich ruhiger wurde und anfing Familien zu gründen, verschwanden eben auch die Majors und wendeten sich den neuen

    Opfern zu.

    Wenn man alle diese Umstände bedenkt und versucht, die Geschichte der elektronischen Musik mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, könnte man schon

    mit gutem Gewissen sagen:

    Ja, es gibt so etwas wie eine Techo-Kultur (zumindest entsteht sie allmählich ;) )

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  14. Pingback: myoon | Friede-Freude-Jugendbewegung

  15. dazu kommt das wir auf die jahrtausendwende zugesteuert sind, mit viel euphorie und danach tippeln wir nur noch auf der stelle, siehe minimalmusik ;)aber langsam gehts ja wieder vorwärs, in diesem sinne

    Rave one !!!

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  16. … wobei minimal jetzt auch nicht sooo schlecht ist. zur Peaktime oder zum Chillen die höre ich es ab und zu recht gerne… ich denke das Problem ist eher, das es mittlerweile geradezu eine minimal-Inflation gibt und andere Musikrichtungen dadurch etwas ins Hintertreffen geraten (siehe myspace)- aber das ist ein anderes Thema (vielleicht Thema der Woche 31? ;) )

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  17. So von 1993-1995 war Techno vielleicht mal eine Jugendbewegung (Mayday-Fahrten, unzählige Rave-Klamotten und Labels, DJ als Traumberuf, MarkOH erklärt bei Bravo-TV wie man Platten mixt, Industrie entdeckt Techno).

    Ansonsten bin ich aus dem Alter raus, wo man Musik dazu benutzt um sich abzugrenzen oder Fan eines Künstlers oder einer Musikrichtung ist. Ausserdem finde ich das traurig, wenn man mit 35 noch das Musikverständnis eines 16jährigen hat. Ein Musik-Fan sollte einfach Verlinkungen und das BIG PICTURE erkennen. Da macht auch das Diskutieren Freude ;)

    Ich unterhalte mich mit dem Beatles-Fan, dem Electro-Hoschi, dem Grufti, dem Coldplay-Popper…….Götz Alsmann und Udo Jürgens sind für mich genau so großartige Künstler wie ein Richie Hawtin. Wer das nicht versteht, ist für mich kein Musik Fan sondern kleinkariert.

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