Review: We Call It Techno DVD

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Seit ein paar Tagen befindet sie sich nun in meinem Besitz, die Dokumentation über die Technoanfangstage hierzulande. Die Premiere von WE Call It Techno im Babylon war ein großartiges Veteranentreffen, bevölkert von viel, mittlerweile grauschläfiger, Technoprominenz mit anschliessendem Austausch was man heute so macht und was in der Zwischenzeit so passiert ist.
Die Redaktion hat sich dankenswerterweise sehr viel Mühe gegeben Videomaterial aus der Zeit zu besorgen, was man dem Zeitdokument deutlich anmerkt, hach was waren wir alle noch jung damals und ist das echt alles schon so lange her? Und obwohl sich sowohl Städte, als auch Akteure auf die unterschiedlichste Art und Weise entwickelt haben, so hört man dennoch heraus, das wir alle mit derselben Energie und Idee angefangen hatten. Allen Ränkespielen und Unterschieden hinter den Kulissen zum Trotz hört man also deutlich heraus, das wir alle gar nicht so unterschiedlich sind oder waren.
Die Dokumentation bringt zum Glück nicht nur die Big Players der vergangenen Tage zu Wort, sondern auch einige, deren Understatement und Bescheidenheit sie nie groß rausgebracht haben, was ihnen auch vielleicht völlig gegen den Strich gegangen wäre. Umso neutraler sind jedoch oftmals deren Beobachtungen. Im Nachhinein kam mir von mancher Seite Kritik zu Ohren, das da vielleicht etwas zuviel Berlin drin vorkomme, was ich aber nicht so sehe, ich sehe den Proporz ganz gut gewahrt und wenn mir mittlerweile zugezogene einstige glühende Frankfurtvertreter im Berlin-Frankfurt-Battle aus Franfurt an dem Abend stolz und als wäre nie was gewesen erzählen, das “Wir hier einfach die besseren Locations” haben, dann sag ich mal ist der Proporz wohl nicht umsonst so, auch das sich jede Stadt im Bonusmaterial im Vergleich mit Berlin sieht, spricht da Bände. Städte wie Hamburg, Münschen und Köln sind aber auch würdig vertreten, insbesondere Riley hat mich da mit seinen Aussagen der Unfassbarkeit sehr amüsiert. Weitere Highlights sind für mich Frank Blümel, Wolle XDP, Mijk van Dijk und Ata.
Überhaupt das einstündige Bonusmaterial, hier werden nochmal einige der Themen mit den Highlights aus 50 Stunden Interviewmaterial vertieft, wobei es durchaus kritisch zugeht und beileibe nicht nur Vergangenheitsglorifizierung betrieben wird, wie übrigens im eigentlichen Film auch.
Mit Sicherheit kann man meine Bewertung aus offensichtlichen Gründen nicht als objektiv ansehen, dennoch wage ich mal die Behauptung, das dies die bislang beste Doku über die Anfänge einer großen Geschichte ist, die noch lange nicht beendet ist. Auch wenn ich jetzt wahrscheinlich als der DJ mit dem falsch geknöpften Hemd eingehe. Zum Interviewtermin war es bittlerlich kalt, so das ich es bibbernd zuknöpfen mußte und keiner der Verantwortlichen hat mir gesagt das das um einen Knopf verdreht passiert ist ;)
Die DVD ist nur bei Sense Music & Media zu beziehen und lohnt sich sowohl für jene, die in Erfahrung bringen wollen, wie Techno in Deutschland angefangen hat, als auch für Veteranen, die ihren Kindern und Enkeln später mal zeigen wollen, was sie in ihrer Jugend so getrieben haben.

Kommentare (9) Schreibe einen Kommentar

  1. schön, dass du uns vorwarnst wegen deines konfusen kleidungsstils- vermutlich dachten sie, dass das bei dir so gehört:-D
    hatte am 24ten die mail im postkasten, dass sich die DVD auf dem weg zu uns befindet. wahrscheinlich schlummert das goldstück schon in unserem postfach. freu mich unglaublich auf den inhalt!!..und nur zu gerne hätten wir auch die Premiere miterlebt….

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  2. Gut geschrieben, da hat sich das Bestechungsgeld für Dich gelohnt ;-)

    Dein Hemd, falsch zugeknöpft? Na sowas!
    Wir dachten das wäre so dein Style ;-)
    Im Ernst, ist keinem aufgefallen, warum sagst du es jetzt und alle Welt guckt auf dein Hemd? Klassisches Eigentor!

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  3. @CodeRed: das EUCH das nicht aufgefallen ist, ist offensichtlich ;) ich bin aber schon zweimal drauf angesprochen worden. naja, machen wir halt nen style drauss
    aprospos bestechungsgeld: du, hier is noch nix angekommen, mach ma!

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  4. Apropos! Da flattert gerade das Nature One Paper rein (wir haben nicht darum gebeten- whatever). Ich sehe es gibt ein sog. “Classic Terminal”. WIE SCHÖN! Dr. Motte, Tanith und Mijk van Dijk am Samstag- da könnt ihr ja eine Fahrgemeinschaft bilden !!!?? :-D

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  5. Lieber Tanith, du scheinst mir noch einer der systemkritischten DJs zu sein, und deine Einstellung auch mit weniger und schlechter bezahlten Bookings zu bezahlen….Eventmarken, Star-Djs…alles Synonyme amerikanischer Werbeindustrie. Auch in der Postraveszene scheint jeder DJ mittlerweile einen eigenen Vertrieb zu brauchen wie die mittelständische Limonadenindustrie….und ein Markenimage, sonst kriegt man keine Parties…hoffentlich entsteht wieder ne illegale partyszene, wo mir nicht irgendwelche kiddie-agenturen, etwas von eventmarken erzählen…Nature One, Mayday…bringen zwar für die Aktuere gutes Geld, haben aber mittlerweile nur noch den Charme, eines Tages der offenen Tür im Autohaus…

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  6. genau das ist was aus unserer Gesellschaft geworden ist.
    Sage ich am Freitag Abend an der Elbe findet eine Revolution statt. Kommen dann alle, braucht man nichts zu sagen, aber alle werden behaupten, es wäre Revolution gewesen.

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  7. anders gesagt, in diesem multimedialen Imperialismus, braucht man scheinbar nicht erwachsen zu werden. Oder versteht noch jemand Frau Holle???

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  8. puhu, jetzt aber wa…. :-/

    …Nature One, Mayday…bringen zwar für die Aktuere gutes Geld, haben aber mittlerweile nur noch den Charme, eines Tages der offenen Tür im Autohaus…

    stimmt schon@wolke909, aber wo ist hier jetzt nochmal genau das problem??

    Oder versteht noch jemand Frau Holle???

    irgendwie “ja” und irgendwie auch “nee” …

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  9. Pingback: HASENFARM | WE CALL IT TECHNO!

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